Schwörtag - Historisch gewandet, rockig aufgelegt und vielfach beschirmt:
Bürgerfest mit vielen Facetten


Reutlinger feiern feucht und fröhlich
Von Andrea Anstädt, Quelle GEA 14.05.08

REUTLINGEN. Dem Himmel war nicht nach Feiern zumute, als sich der Festzug am Sonntagvormittag
nach dem zeremoniellen Gottesdienst
in der Marienkirche zum Listgymnasium aufmachte, um wie einst die Vorväter aus reichsstädtischer Zeit am zweiten Sonntag nach dem vierten Juli den Schwörtag zu begehen.




Besser gut beschirmt als leicht behelmt: Der Schwörsonntag fiel in diesem Jahr äußerst regenreich aus. FOTO: NIETHAMMER
Besser gut beschirmt als leicht behelmt: Der Schwörsonntag fiel in diesem Jahr äußerst regenreich aus.
FOTO: NIETHAMMER


Schwören und schützen

Hieß es im vergangenen Jahr noch »schwören und schwitzen« war am Sonntag »schwören und schützen« angesagt, sodass der Zug - einem wogenden Meer aus bunten Regenschirmen gleich - mit zügigen Schritten über Marktplatz und Kanzleistraße hinweg zum Schwörhof strömte.

Angeführt von Fahnenflaiger Thomas Walker marschierte der Festzug zwar lächelnd, aber eigentümlich leise, nur die Schauspieler des Naturtheaters brachten mit ihrem Gesang ein wenig Schwung in die Karawane, in die sich hinter die Vertreter von Stadt und Gemeinderat die Mitglieder der Zünfte, Trachtenträger und Schützen, Stadtgarde, Sänger und auch die Gäste aus den Partnerstädten eingereiht hatten.

Musikalisch unterhalten von der Stadtkapelle, dem Liederkranz Reutlingen verstärkt durch Sänger befreundeter Chöre sowie den Schülern des Friedrich-List-Gymnasiums, sah die trotz des ungemütlichen Wetters ordentlich große Schar von Neugierigen rings um die Bühne gespannt dem Höhepunkt entgegen.

»Wenn die Reutlinger Bürgerschaft den verheerenden Stadtbrand von 1726 überstanden hat, dann hält sie auch so ein bisschen Regen nicht ab«, stellte Oberbürgermeisterin Barbara Bosch mit einem zufriedenen Blick in die Runde fest. Besonders begrüßte sie die Gäste aus dem amerikanischen Reading, mit denen man am Wochenende das zehnjährige Bestehen der Städtepartnerschaft feierte (vgl. unten stehenden Bericht).

Selbstbewusste, stolze Bürger hätten einst das Fundament der freien Reichsstadt gebildet und würden dies noch heute tun, nahm die OB Bezug auf den Vortrag ihres »schwörtagserfahrenen« Amtskollegen Ivo Gönner vom Vorabend. Unter dem Titel »Alte Reichsstädte - moderne Kommunen« hatte der Ulmer Oberbürgermeister seine Betrachtung der historisch-politischen Tradition mit aktuellen Fragestellungen verknüpft.

Selbstbewusste Bürger

Auch Barbara Bosch schwenkte nach einem kurzen historischen Abriss zur Geschichte des Schwörtags über zu den aktuellen Reutlinger Themen und den jüngsten wegweisenden Entscheidungen des Gemeinderats wie den Grundsatzbeschluss zur Altstadtsanierung, zur Stadthalle und der im Dezember anstehenden Einweihung des soziokulturellen Zentrums im ehemaligen Foyer U3.

»Zu unserem Glück fehlen uns nur ganz wenige Dinge, etwa dass sich im städtischen Haushalt die Einnahmen und die Ausgaben die Waage halten, der Bau des Scheibengipfeltunnels - und ein bisschen schöneres Wetter«, fügte Bosch mit einem Augenzwinkern an, bevor sie sich an ihre wichtigste Aufgabe des Tages machte und, gestärkt durch einen tiefen Schluck Reutlinger Weins aus dem gewaltigen Römerglas, den Eid ihrer Vorgänger aus freier Reichsstadtzeit sprach. Ein Bürgerfest mit buntem Programm rundete den Sonntag ab.

Bereits am Samstagabend wurde auf dem Schwörhof nach moderner Sitte ausgelassen gefeiert und geschwoft. Verantwortlich für die prächtige Stimmung war die Shakin' Daddes Band, die den zahlreichen Partygästen richtig einheizte. Großen Anklang fand zudem der Feuerzauber des »Nanu-Traumtheaters«.

Richtig Pech dagegen hatte das mittelalterliche Feldlager auf dem Bruderhausgelände, das am Freitag regelrecht geflutet wurde. Tapfer trotzten die Männer und Frauen, die zum Teil knietief im Wasser standen, gemeinsam den Unbillen, krempelten die Hemdsärmel hoch und bauten Teile der Zeltstadt in sicherer Entfernung zur Echaz einfach wieder neu auf. (GEA) Seite 11