Tradition - Die Stadtgarde weiht Kanone mit Salutschüssen von der Achalm in Richtung Pfullingen ein.
Die dortige Schützengilde antwortet vom Übersberg aus


Feuer frei auf Pfullingen
VON REGINA STÖRK

REUTLINGEN. »Augen links - Kanone bereit - Kanone geladen und feuerbereit - Artillerie: Feuer frei.«
Das Kommando von Dr. Harald Sautter, der als Kommandant der Stadtgarde das Sagen hat, kam klar und deutlich.
Dann wurde es laut und roch ein bisschen nach Schwefel.

 

Pfullingen heißt das Ziel: Kanone Klarilene im ersten realen Einsatz.
FOTO: REGINA STÖRK


 Die neue Kanone der Stadtgarde wurde im Mai vom Beschussamt in Ulm Probe geschossen und für sicher befunden. 
Am Samstagvormittag wurde sie mit einem dreifachen Salut von der Achalm aus in Richtung Eningen/Pfullingen getauft.
Von der Auffahrt zum Übersberg beim Spielplatz Ursulaberg wurde zurückgeschossen.

Zuerst sah man den Qualm, dann kam der Knall. Die Schützengilde antwortete ebenfalls mit Salutschüssen aus ihrer Kanone. 
»Das ist Physik pur«, freute sich Sautter, weil jeder sehen konnte, dass Licht tatsächlich schneller ist als der Schall.
»Klarilene« heißt die kleine Kanone nun, nach der Ehefrau eines ihrer Erbauer. Rolf Bitzer, Oberfeldwebel bei der Stadtgarde, 
und Kanonier-Sergeant Artillerist Karl Heim haben dafür ein Jahr lang alte Zeichnungen, Materialien und Sicherheitsbestimmungen gewälzt.

Kanonen hätten immer weibliche Namen, erklärte Bitzer: »Sie waren mit der Heiligen Barbara, der Schutzheiligen der Artillerie, 
zu jeder Zeit die einzigen Frauen im Regiment.«

Bei den Stadtgardisten gibt es allerdings außerdem noch einen weiblichen »Kammerjunker«. Petra Sautter, die Tochter des Kommandanten, 
gehörte schon zu den Gründungsmitgliedern und darf inzwischen auch eine Uniform tragen. Der Bundestagsabgeordnete Ernst-Reinhard Beck 
übergab »Klarilene« bei der Kanonentaufe ihrer ausschließlich friedlichen Bestimmung. Vom ganzen Spektakel waren er und 
Staatssekretär Dieter Hillebrand so begeistert, dass sie spontan ebenfalls der Garde beitraten. Die beiden Originalkanonen 
stehen heute im Heimatmuseum. Die Garde hatte entschieden, beide Kanonen nicht mehr beschießen zu lassen. 
Sie entsprächen nicht mehr den heutigen Sicherheitsbestimmungen, hieß es.

Die Stadtgarde sei weder heute noch früher je eine militärische Einrichtung gewesen, betonte Jürgen Fuchs - ebenfalls in Gardeuniform: 
»Sie diente auch damals lediglich zur Repräsentation.« 1828 wurde die Garde - geduldet vom König gegründet - und 1863 aufgelöst. 
»Aus ihr ist dann der Männerverein entstanden«, so Fuchs. Und den gibt es heute noch. (GEA)